Icatibant
Über Icatibant
Icatibant bietet eine neuartige Behandlungsmöglichkeit für das hereditäre Angioödem (HAE). Die Europäische Kommission hat Jerini die Zulassung für Firazyr® (Icatibant) zur Behandlung akuter Attacken von HAE erteilt, welche dem Unternehmen nun die Vermarktung von Firazyr® in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union ermöglicht. Damit ist Firazyr® das erste Produkt, das in der Indikation HAE in allen EU-Staaten zugelassen ist. Das Marketing- und Vertriebsteam ist auf die für das dritte Quartal dieses Jahres geplante Produkteinführung vorbereitet.
Wirkmechanismus
Bei Icatibant handelt es sich um einen sehr wirksamen und hochspezifischen Antagonisten von Bradykinin-B2-Rezeptoren. Bradykinin ist ein Peptid-basiertes Hormon, das lokal im Körpergewebe gebildet wird, und zwar sehr häufig als Reaktion auf ein Trauma. Bradykinin erhöht die Durchlässigkeit der Gefäße, erweitert die Blutgefäße, führt zur Kontraktion von glatten Muskelzellen und spielt eine wesentliche Rolle bei der Schmerzvermittlung. Eine übermäßige Konzentration von Bradykinin ist für die typischen Entzündungssymptome wie Schwellung, Rötung, Überwärmung und Schmerz verantwortlich. Diese Symptome werden über die Aktivierung von Bradykinin-B2-Rezeptoren vermittelt.Ein erhöhter Bradykininspiegel konnte bei verschiedenen Krankheiten nachgewiesen werden, unter anderem bei HAE und anderen Angioödemen, schweren Lebererkrankungen, Verbrennungen sowie allgemein bei Allergien und Entzündungen. Seine hohe und spezifische Wirksamkeit macht Icatibant zu einem vielversprechenden Arzneimittelkandidaten zur Behandlung akuter Attacken des vererblichen Angioödems und zur Behandlung anderer Entzündungskrankheiten.
Icatibant und Hereditäres Angioödem (HAE)
HAE ist eine, die betroffenen Patienten in ihrem Lebensalltag stark einschränkende und potenziell lebensbedrohliche Erbkrankheit. Sie ist durch spontane und wiederkehrende Attacken gekennzeichnet, die mit Schwellungen (Ödemen) in verschiedenen Körperregionen verbunden sind. HAE-Attacken an Händen, Füßen oder im Gesicht können zu Entstellungen führen. Attacken im Magen-Darm-Trakt sind durch das Anschwellen der Darmwand mit starken Schmerzen verbunden. Durch auftretende Schwellungen im Kehlkopfbereich kann es zu einem Verschluss der oberen Atemwege und damit zu lebensbedrohlichen Erstickungsanfällen kommen. HAE-Patienten erleiden durchschnittlich zwölf Attacken pro Jahr, die - wenn sie nicht behandelt werden - zwei bis fünf Tage andauern. Bis heute wurde bei etwa 10.000 Patienten in den USA und in Europa HAE diagnostiziert, wobei davon ausgegangen wird, dass die Krankheit unterdiagnostiziert ist. Während in einigen Ländern Europas ein Blutplasmaprodukt zur intravenösen Verabreichung erhältlich ist, gibt es bis heute in den USA keine adäquate Behandlung bei HAE.
Hier können Sie mehr über HAE lesen.
Icatibant und wirkstoffinduzierte Angioödeme
Das hereditäre Angioödem ist eine von mehreren Formen von Angioödemen. Eine andere Form wird durch blutdrucksenkende Medikamente induziert, andere entstehen, ohne dass man die Ursachen kennt. Jerini beabsichtigt, die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten von Icatibant auf solche Indikationen auszuweiten, bei denen ein erhöhter Bradykininspiegel ebenfalls eine pathophysiologische Rolle spielt.Für 2008 ist der Beginn einer Phase-II-Studie vorgesehen, in der die Wirksamkeit von Icatibant zur Behandlung wirkstoffinduzierter Angioödeme geprüft werden soll.



